Alaaf oder Hel(l)au

Für die beiden wohl bekanntesten rheinischen Narrenrufe gibt es eine Vielzahl von Deutungsversuchen: Alaaf steht dabei für „all af“, also „alles andere ab“. Im Sinne von Kölle Alaaf meint es „Köln voran“ oder „Köln über alles“. Schon 1550 fand man den Ausruf in einen Bartmannkrug eingeritzt, 1635 beendete Graf Metternich einen Brief mit einem Alaaf. Das Helau ist nicht nur in Düsseldorf als Narrenruf bekannt. Unklar ist, ob es eine veränderte Form des Hallo ist, oder ob es von den Hirten überliefert wurde, die ihre Ziegen mit einem Laut, ähnlich dem Helau, zusammengetrieben haben sollen – welch unschöner Vergleich. Außerdem ist auch noch eine Kunstform des Wortes „Hallelujah“ denkbar. Die schönste aller Herkunftsgeschichten ist jedoch mit Abstand folgende: 1259 erlangt Köln das so genannte Stapelrecht: jedes Schiff, das Köln passiert, muss seine Waren drei Tage lang den Kölner Bürgern zu einem Vorzugspreis anbieten, der Rest darf anschließend weiterverschifft werden. Dieses Privileg ist den Handelsschiffern natürlich ein Dorn im Auge, so dass im Jahre 1285 ein Mainzer Kaufmann mit zwölf bewaffneten Rittern an Bord folgendes verkündet: „Ich vil he lau fahrn“ (Ich will hier ohne weiteres durchfahren). Daraufhin die Kölner: „Al aaflade, ihr sollt al aaflade" - also: alles abladen. Es endet in einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Der Kaufmann segelt schwer verletzt noch fünfzig Kilometer rheinabwärts, bis er an einem kleinen Dorf vor Anker gehen und sich behandeln lassen muss. Seine Ladung wird hier zum Grundstock einer neuen Stadt: Düsseldorf. Zum Gedenken an diese Auseinandersetzung ruft man in Mainz noch heute „Helau“, und die Kölner kontern mit „Alaaf“. Die Düsseldorfer übernehmen – in Gedenken an ihren Gönner – den Mainzer Karnevalsgruß, so dass Köln bis auf den heutigen Tag von Helau-Rufern eingekesselt ist